Veröffentlicht: Montag, 19. March 2018

Es ist soweit: Sie haben eine Bewerbung verschickt und nun die erhoffte Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalten. Typischerweise mischen sich nun Freude und reichlich Nervosität. Denn Sie wissen: Dieses Gespräch ist entscheidend. Klar, dass Sie sich nun inhaltlich so gut wie möglich vorbereiten. Sie haben sich über den Job, das Unternehmen und Ihre zukünftigen Aufgaben informiert. Machen Sie sich zudem schon im Vorhinein Gedanken, wie Sie sich vorstellen und wie Sie auf typische Fragen, beispielsweise nach Schwächen und Stärken, reagieren.

Vorstellungsgespräch

Am Tag des Gesprächs schlüpfen Sie in den Anzug, das Kostüm oder ein anderes passendes Business-Outfit und nun geht es los. Was es bei der Vorstellung und im Gesprächsverlauf zu beachten gilt, haben wir hier für Sie zusammengestellt. Denn die Tücke liegt im Detail, schon kleine Patzer können den ersten Eindruck verderben.

Pünktlichkeit ist Trumpf

Üblicherweise werden Sie am Empfang oder Pförtner abgeholt oder Sie haben mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch eine Wegbeschreibung zum fraglichen Raum erhalten. Fehlten diese Angaben oder sind Sie sich unsicher, wo Sie genau hinmüssen, sollten Sie rechtzeitig, am besten am Tag vorher telefonisch nachfragen.

Selbstverständlich sollte es sein, zum Vorstellungsgespräch pünktlich zu kommen. Am besten planen Sie ihre Ankunft so, dass sie etwa 15 Minuten vor Gesprächsbeginn vor Ort sind. Das gibt Ihnen einen Puffer für Unvorhergesehenes und verhindert, dass Sie abgehetzt eintreffen. Sollte Ihnen unerwartet etwas dazwischen kommen, informieren Sie Ihre Gesprächspartner umgehend.

Die Begrüßung

Sollte die Tür des Besprechungszimmers zum angegeben Zeitpunkt geschlossen sein, dürfen Sie ruhig anklopfen – hörbar, aber nicht zu laut. Hören Sie dann eine Aufforderung zum Eintreten, treten Sie ein und gehen ihren Gesprächspartnern entgegen. Stellen Sie sich mit Namen vor und bieten sie ihrem Gegenüber die Hand an. Ihr Händedruck sollte weder feucht und schlaff noch zu kräftig ausfallen. Falls Sie sich bei einer ausländischen Firma beworben haben, erkundigen Sie sich vorab nach dem dort üblichen Begrüßungsritual.

Nun stellen sich Ihre Gesprächspartner vor. Prägen Sie sich dabei die Namen und Funktion aller Anwesenden gut ein. Denn es macht einen schlechten Eindruck, wenn Sie im folgenden Gespräch Namen verwechseln oder die Funktionen Ihrer Gegenüber nicht mehr parat haben. Falls Sie eine Visitenkarte erhalten, legen Sie diese vor sich auf den Tisch, so dass Sie jederzeit auf sie zurückgreifen können.

Typischerweise folgt der Ablauf eines Vorstellungsgesprächs dem klassischen Muster: Der Bewerber wird aufgefordert sich vorzustellen, dann werden ihm Fragen gestellt und schließlich darf/soll auch er  Fragen zu seinem künftigen Job stellen. Aber natürlich gibt es auch Ausnahmen. Letztlich ist es Ihrem Gegenüber überlassen, wie er das Gespräch gestaltet.

Sie sind am Zug

In der ersten Phase des Vorstellungsgesprächs werden Sie typischerweise dazu aufgefordert, sich noch einmal vorzustellen. Dies ist Ihre Bühne, Ihre Chance, sich zu präsentieren. Erzählen Sie hier nicht Ihre Lebensgeschichte, sondern stellen Sie angefangen von der aktuellsten, wichtige Stationen Ihre beruflichen oder schulischen Werdegangs vor. Wichtig dabei: Betonen Sie dabei die Tätigkeiten oder Aufgaben, die zu den Anforderungen der neuen Stelle passen. Die Selbstpräsentation sollte nicht mehr als fünf Minuten umfassen.

Achten Sie beim Sprechen auf Ihre Körpersprache: Unterstreichen Sie Ihre Ausführungen ruhig mit Gesten, aber vermeiden Sie heftige, hektische Bewegungen oder gar Drohgebärden. Halten Sie immer wieder Blickkontakt mit Ihrem Gegenüber, vermeiden Sie es aber, ihn starr dauerhaft zu fixieren. Sitzen Sie offen und entspannt, beim Reden eher leicht vorgebeugt als zu lässig zurückgelehnt. Verschränkte Arme signalisieren Abwehr und Unsicherheit – diese Haltung sollten Sie daher vermeiden.

Die Fragerunde

Nach der persönlichen Vorstellung beginnt meist eine Fragephase. Ihre Gegenüber haken vielleicht bei einzelnen Punkten ihrer Präsentation noch einmal ein, werden aber auf jeden Fall versuchen, Ihnen auf den Zahn zu fühlen. Häufig werden hier gezielt Fragen gestellt, die ans Eingemachte gehen. In einer solchen Situation heißt es Ruhe bewahren und souverän reagieren.

Zu typischen Fragen in dieser Phase gehören beispielsweise diese:

"Können Sie mir zwei schwierige Situationen schildern, vor denen Sie in letzter Zeit gestanden haben?"

"Mit welchen Ideen konnten Sie sich bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber nicht durchsetzen?"

 "Bei welchen Gelegenheiten gab es Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit Ihren Kollegen?"

"Können Sie die für Sie ideale Tätigkeit beschreiben?"

"Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Vorgesetzten?"

"Wie definieren Sie Erfolg?"

Geradezu klassisch ist die Frage nach den Schwächen und Stärken. Hier ist der Bewerber oft in einer Zwickmühle. Klar ist, dass er keine Schwächen nennen sollte, die ihn für den angestrebten Job disqualifizieren: "Ich bin ein Chaot" ist für einen Buchhalter sicher kontraproduktiv. Häufig wird geraten, Schwächen zu nennen, die man auch als Stärken auslegen kann  - Perfektionismus oder Ungeduld. Andererseits aber ist dann auch dem Gegenüber klar, dass dies ein bloßes Abspulen von Phrasen ist. Versuchen Sie daher schon im Vorfeld, Stärken und Schwächen zu finden, die Ihrer Persönlichkeit entsprechen und dem Job nicht abträglich sind.

Im Stresstest

In manchen Fällen wird das Vorstellungsgespräch auch genutzt, um zu testen, wie belastbar der Bewerber ist – kommt er mit Stress klar? Dann versuchen die Interviewer, Sie beispielsweise durch  Unterbrechen, bewusst aggressive oder abwertende Fragen oder Bemerkungen aus der Ruhe zu bringen. Typische Stressfragen sind beispielsweise: "Sind Sie nicht ein bisschen zu jung (oder alt) für diesen Job?" Oder es wird suggeriert, man habe keine ausreichende Qualifikation. Auch Ablenkungen durch Herumkramen, Telefonate und ähnliches können dazu gehören.

Meist dient dies nur dazu, Ihre Standfestigkeit und Selbstbeherrschung zu testen, lassen Sie sich daher nicht provozieren. Bleiben Sie freundlich und gelassen. Antworten sachlich und mit Argumenten und Beispielen. Ein kleiner Tipp: Wenn Sie auf eine Frage nicht vorbereitet sind, können Sie einen Augenblick Zeit gewinnen, indem Sie einen Schluck trinken. Lehnen Sie daher das angebotene Getränk nicht von vorne herein ab, auch wenn Sie nicht durstig sind.

Nicht jede Frage ist zulässig

Nicht jede Frage, die ein zukünftiger Arbeitgeber stellt, ist auch zulässig. Häufig wird aber dennoch versucht, den Bewerbern eine Auskunft zu entlocken. Sollte Ihnen eine dieser Fragen gestellt werden, müssen Sie nicht antworten. Als Faustregel gilt: Ist eine Frage aus juristischer Sicht nicht erlaubt, dürfen Sie lügen, ohne später arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

Als unzulässig gelten beispielsweise Fragen nach Schwangerschaft und Familienplanung. Auch wenn nachvollziehbar ist, warum dies den Arbeitgeber interessiert, müssen Sie hier keine Auskunft geben und dürfen sogar die Unwahrheit sagen. Auch über die Parteizugehörigkeit, Religion oder Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft müssen Sie nicht informieren.

Prinzipiell sind auch Fragen nach Vorstrafen oder den Vermögensverhältnissen nicht zulässig – es sei denn, sie sind für den konkreten Job direkt relevant. Wer beispielsweise in einer Bank anfangen will, muss damit rechnen, dass der Arbeitgeber wissen will, ob man Schulden hat oder kriminell vorbelastet ist. In diesem Fall darf dies gefragt werden. Auch die Frage nach der körperlichen Verfassung sind erlaubt, wenn es um die grundsätzliche Eignungen für den Job geht. Ein Forstwirt sollte besser nicht unter Heuschnupfen leiden und eine Sekretärin muss am Computer arbeiten können.

Welche Fragen Sie stellen sollten

Nachdem Sie ausführlich "gegrillt" wurden, dürfen Sie nun ihrerseits Fragen stellen. Für diese Phase ist es sinnvoll, sich schon im Vorfeld einige Fragen zum Tätigkeitsablauf zu überlegen. Wenn einem Bewerber hier gar nichts einfällt, hinterlässt das unter Umständen den Eindruck, man sei nicht interessiert.

Gut geeignet und sinnvoll sind Fragen nach dem künftigen Team oder den Kollegen, nach Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierechancen, aber auch ganz konkret nach bestimmten Aufgaben oder dem Verlauf der Einarbeitungsphase. Eher ungünstig ist es, wenn als erstes Fragen zum Urlaub oder dem Überstunden-Ausgleich  kommen. Es ist übrigens absolut nicht negativ, wenn Sie ein Liste mit zuvor vorbereiteten Fragen zücken – das wirkt gut vorbereitet und professionell.

Am Ende angelangt

Irgendwann ist auch das längste Vorstellungsgespräch vorüber. Vergessen Sie nicht, vor der Verabschiedung nach dem weiteren Prozedere zu fragen, beispielsweise danach, wann Sie mit einer Benachrichtigung rechnen können und wie es dann weitergeht. Äußeren Sie sich noch einmal positiv über das vergangene Gespräch und verabschieden Sie sich mit Händedruck.

Jetzt ist die größte Hürde auf dem Weg zum neuen Job genommen. Sollte trotz eines guten Gefühls Ihrerseits doch eine Absage folgen, muss dies nicht immer nur an Ihnen oder Ihrer Qualifikation liegen.  Manchmal stimmt auch einfach die Chemie nicht. Dennoch kann es sinnvoll sein, im Nachhinein zu prüfen, was man möglicherweise hätte besser machen können – damit es beim nächsten Mal besser läuft.